Christianity and Democracy

A general question of the relationship between Christianity as a religion and politics brings up more specific issues: Christianity’s attitude towards democracy, the harmonization of this world religion with democracy, and their conflict with each other. The problem of the relationship between religion and state has a long history, which dates back, expectedly, to the beginnings of Christianity. A few attempts at conceptualization of this problem emerged during the history of Christianity. In his “De Civitate Dei”, Augustine of Hippo developed an approach, which has exerted enormous influence on Christian thought and concepts and practices of the Roman Catholic Church. Thomas Aquinas’s doctrine, especially the conception of natural law and the relationship between natural law and secular law, remains hugely important as well. The conceptualization of the relationship between religion and politics, and of religion and state have differentiated alongside the changes within Christianity itself: The Eastern (Orthodox) church, the Reformation, even Christian denominations within Protestant religions, each of them has conceptualized this relation in its own terms. As the result of these differences, there is a wide range of possible positions on the issue of “Christianity and Democracy”. Only those of them which play an important role in shaping the relationship between Christianity and contemporary democracy will be discussed during the conference. We will discuss such contentious claims as that it is difficult to reconcile Christianity with contemporary democracy on the one hand, and that contemporary democracies exist in societies shaped by Western versions of Christianity.

The aim of the conference is (1) to highlight some important historical aspects of the development of a concept of the relationship between religion (including its institution, i.e. the Church) and the state, and (2) to show different approaches to this relationship in different Christian denominations, as well as (3) to discuss two opposing theses: a) that modern democracy has been shaped by Christianity and could develop and can function mainly in the countries of Western Christianity, and b) that there is a significant, inevitable conflict between Christianity and democracy.

 

Christentum und Demokratie

Die heute drängende Frage nach der Stellung des Christentums zur Demokratie – und ob diese Weltreligion mit dieser modernen politischen Form der Gesellschaft in Harmonie oder in Konflikten steht – ist eine besondere Gestalt einer allgemeineren Frage, nämlich der Frage nach dem Verhältnis zwischen Christentum (als Religion) auf der einen Seite und der Politik auf der anderen Seite (oder der Frage nach dem Verhältnis zwischen Religion und Staat). Dieses Problem hat eine lange Geschichte, die bis auf die Anfänge des Christentums zurückgeht. Im Laufe der Geschichte des Christentums sind eine Reihe von Sichtweisen auf dieses Problem entstanden. Die Denkweise, die dabei Augustinus festgehalten hatte – das Verhältnis als die Polarität von weltlich‑zeitlicher und demgegenüber göttlich-ewiger civitas –, scheint das zu sein, was das christliche Denken nachhaltig geprägt hat. Spuren davon sind bis in heutige Konzepte und gesellschaftliche wie politische Verhaltensweisen der römisch-katholischen Kirche (zumindest in einigen Ländern) zu sehen. Nicht ohne Bedeutung für das zeitgenössische Denken in dieser Kirche ist dabei aber auch die Lehre von Thomas von Aquin, bes. die zum Naturrecht und dem Verhältnis zwischen dem gesatzten (menschlich-gesellschaftlichen) Recht und dem (wahren, göttlich gewollten) Naturrecht. Sichtweisen und Konzepte des Verhältnisses von Religion und Politik, Religion und Staat haben sich zusätzlich mit der Differenzierung innerhalb des Christentums selbst aufgefächert: Die Tradition der östlichen (orthodoxen) Kirche hat ihre eigenen Sichtweisen und Praktiken entwickelt; die Reformation hat das Verständnis des Verhältnisses erheblich verändert; und zusätzliche Differenzierung ist auch mit den Unterschieden innerhalb der protestantischen Religionen und Denominationen gekommen, aber auch innerhalb der Richtungen der Ostkirche. Aufgrund dieser Unterschiede wird das breite Spektrum der Positionen zum Thema “Christentum und Demokratie” bislang vor allem nur in den jeweiligen Ausschnitten diskutiert. Je nachdem, welche Elemente aus den Erbschaften der Sichtweisen und Konzepte dominierend sind (Augustin, Thomas von Aquin, Ockham, aber auch Luther, Calvin usw.), in der Ostkirche (und in ihren verschiedenen Ausprägungen) zudem die jeweilige Version der Positionierung als autokephale Staatsreligion des nationalen politischen Gebildes, bestimmen sich unterschiedliche Rollen der christlichen Religion und ihrer Kirche im Verhältnis zur modernen Demokratie.

In den Diskussionen über das Verhältnis von Christentum und Demokratie gibt es Stimmen, die das Christentum als grundsätzlich nur schwer mit der modernen Demokratie in Einklang zu bringen sehen; Verteidiger der gegenteiligen These werden darauf hinweisen, dass Demokratien in der heutigen Welt und in ihrem gegenwärtigen Verständnis vor allem in Gesellschaften existieren, die von westeuropäischen Versionen des Christentums geprägt sind. – Ziel der Konferenz ist es, (1) einige wichtige historische Aspekte der Entwicklung der Sichtweisen auf die Beziehungen zwischen Religion (einschließlich der Institution, d.h. der Kirche) und Staat hervorzuheben; (2) unterschiedliche Ansätze für diese Beziehung in verschiedenen christlichen Konfessionen aufzuzeigen; sowie (3) jene beiden gegensätzlichen Thesen zu diskutieren: diejenige, die besagt, dass das modern Politische auf dem von der christlichen Religion geprägten Boden steht, auf dem die die politische Form der modernen Demokratie sich hat entwickeln können und dem deren Prozesse das normative Einverständnis der Bürger verdanken, und dagegen die andere, die einen bedeutsamen und unvermeidlichen Konflikt zwischen Christentum und Demokratie sieht.